Wer im nördlichen NRW, oder im südlichen Niedersachsen, in den Fünfziger- Sechzigerjahren zur Schule ging, dem blieb mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Besuch der Externsteine, und oft auch des nahe liegenden Hermannsdenkmals, nicht erspart.
Ein Besuch der Externsteine heute, im Jahre 2011, das ist eine kleine Zeitreise. Nicht weil uns dort Zeugen der Vergangenheit des Menschen erwarten, denn menschliches Treiben nimmt in der Geschichte der Felsen nur einen kleinen Moment in Anspruch. Nein, es scheint die Vergangenheit des deutschen Nahtourismus, die einen dort unvermittelt anspringt.
Zwar gibt es ein neues schönes archäologisches Infozentrum, auch das - noch vor zehn Jahren vergleichsweise muffig wirkende - kleine Ausflugslokal daneben, ist mit vergrößertem Aussenbereich neu und modernisiert eröffnet worden, nein irgendetwas wirkt immer noch wie "früher".

Vielleicht ist es das Wetter im August, schon von Heine ist der Sommer ja als grün gestrichner Winter bezeichnet worde, oder die schöne Naturlandschaft rund um die Externsteine herum?
Oder es sind die Menschen, die Touristen also, die dort täglich auflaufen. Manche wirken wie seit Jahrzehnten unterwegs. Vielleicht haben sie Sitten und Bräuche der fünfziger Jahre mitgebracht. Vielleicht liegt es auch am Dialekt der neuen Bundesländer der uns nostalgisch stimmt. Man weiss es nicht.
Was man weiss ist, wie die lippische Rose Eingang ins NRW-Landeswappen gefunden hat. Das Lipperland ist neben dem Rheinland und Westfalen der dritte Bestandteil des Landes Nordrhein-Westfalen.
Gerade während ich die ersten Aufnahmen von den Externsteinen machte, erscholl von der obersten Aussichtsplattform die Stimme eines jungen Mannes "Mutti, Mutti hier oben sind wir, Mutti hier oben, guck mal nach oben, wir sind hier oben, Mutti hier oben".
Ob Mutti geguckt hat weiss ich nicht. Viele der umstehenden Damen sahen nach Mutti aus, und nach oben schauten sie alle.
Zwanzig Minuten später sah ich den jungen Mann am Kiosk wieder, die Stimme war unverkennbar. Die Lautstärke war kaum geringer als vorhin, der Dialektfärbung nach kam der Schreisprecher aus einem Gebiet zwischen Duisburg und Essen.
Der hoffnungsvolle Sprößling war sicherlich Mitte Fünfzig, trug Shorts, Socken und Sandalen.
Wie ich.
Zumindest was die Shorts betraf.
Sandstein, Sandstein
alles muss versteckt sein
Okay, vielleicht hiess der Kinderreim auch geringfügig anders (Eckstein, vielleicht) , egal – jedenfalls sind diese imponierenden "Felsen" aus ziemlich weichem Material, aus Sandstein eben. Das ist zwar, wie anderen Orts auch, günstig um Höhlen anzulegen und bildhauerisch tätig zu werden, doch wer weiss, ob unsere Nachfahren, so in zwanzig- dreizigtausend Jahren diese Sehenswürdigkeiten noch genießen können. Bei Nachhaltigkeit gibt es also einen Punkteabzug.

Hoch gerühmt wird das Kreuzabnahmerelief. Ich dagegen finde, es passt überhaupt nicht an diesen archaischen Ort. Was haben christliche Kunststückchen an Orten zu schaffen, die vermutlich alte germanische Kultorte sind.
Außerdem, jeder kunstinteressierte Minderjährige sieht auf einen Blick an der Machart des Kunstwerkes, das kann nur im zwanzigsten Jahrhundert entstanden sein. Die Figuren sind viel zu reduzuiert, viel zu abstrakt. So sahen die Neubauten christlicher Kirchen nach dem Krieg aus. Aussen modern, innen langweilig.
Vielleicht sogar, hat das Fremdenverkehrsamt erst vor ein paar Jahren das Relief anbringen lassen, denn offenbar interessiert an neumodischem Schnickschnack, hat der Künstler ziemlich 3D-mäßig gearbeitet.
Kunsthistoriker sprechen zwar hartnäckig vom zwölften Jahrhundert. Aber, was verstehen die schon von Multimedia, die fallen doch auf jede Fälschung rein.
Trotz der Touri-Attacken, trotz der vielen lauten Familien (ja, auch wir hatten die beiden Jüngsten dabei, aber eigene Kinder machen bekanntlich keinen Lärm sondern Zukunftsmusik) wollte sich bei mir keine mystische Ahnung einstellen. Ich wollte die Kraftfelder spüren, statt dessen bemerkte ich, wie bei meiner Digicamera der Akku zur Neige ging. Was ist das schönste Naturdenkmal ohne Akkuladestation?
Viel interessanter als Sonnen- Mond- oder Pfannkuchenwend(e)feier, Germanengötter und Irminsuhllegenden, fand ich ohnehin die reine Gesteinsstrukur des alten Sandsteins. Das natürliche Relief des Sedimentgesteins als Abdruck der Zeit auf dem Stein. Dafür reichte auch die Fotofunktion meiner Kamera noch. Und da fiel mir dann doch einiges merkwürdige an der Haut der Externsteine auf. Aber davon in dem kleinen Video.
Nur soviel sei vorab verraten - auch die alten Götter hinterliessen Spuren im zu Stein gewordenen Sand.
(ist aber noch nicht die Endfassung ! - wenn die fertig ist, stelle ich den Youtube-Direktlink hier ein )
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